UAS-Flugvorbereitung

Das Modul Betriebliche Verfahren 1 beschäftigt sich mit den Voraussetzungen und Maßnahmen, die für eine sichere Flugdurchführung notwendig sind.

Im Rahmen der Flugvorbereitung muss der Fernpilot / die Fernpilotin alle verfügbaren Informationen in Bezug auf die geplante Flugstrecke unter Berücksichtigung von lokalen Umständen miteinbeziehen. Hierzu gehören unter anderem der Einsatzbereich, die Ausrüstung und das Wetter. Je besser und gewissenhafter die Flugvorbereitung durchgeführt wird, umso problemloser und risikofreier kann schließlich auch der Flug stattfinden.

In diesem Submodul werden dementsprechend folgende Bereiche der Flugvorbereitung besprochen:

  • Die Verwendung von Checklisten,
  • notwendige Unterlagen,
  • NOTAMs und Wetter,
  • das Fluggebiet inkl. des Luftraums und
  • die UAS-Ausrüstung.

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Die Checklisten

Die ersten Flugvorbereitungen können bereits mehrere Stunden, teilweise sogar Tage vor dem Flug erfolgen. Sehr hilfreich bei der Vorbereitung und Durchführung wiederkehrender Aufgaben sind Checklisten, die in der bemannten Luftfahrt fester Bestandteil jeder Vor- und Nachbereitung sowie jeder Flugdurchführung sind. Sie dienen dazu, Flüchtigkeitsfehler zu vermeiden und einen sicheren Ablauf von wiederkehrenden Abläufen sicherzustellen.

Checklisten beinhalten in chronologisch und / oder thematisch strukturierter Form die Punkte, die in einer bestimmten Situation abgearbeitet werden müssen. Wichtig ist dabei, dass die Punkte nach der Bearbeitung abgehakt oder auf eine andere Weise bestätigt werden. So wird sichergestellt, dass nichts vergessen wurde.

In der „Drone Flight Checklist“, die in diesem Kurs enthalten ist, sind die wichtigen Checks, also Überprüfungen, übersichtlich dargestellt. Gehen Sie diese Checkliste an der entsprechenden Stelle durch und haken Sie die Punkte nach der Überprüfung ab. Sollte ein Punkt nicht erfüllt werden können oder sind Sie sich nicht sicher, muss dieser Punkt unbedingt vor dem Flug behoben werden. Erst wenn alle Punkte mit ruhigem Gewissen abgehakt werden können, sind Sie und das UAS bereit zum Abheben.

Eine vorgeschlagene Reihenfolge bei der Abarbeitung der Checklisten ist folgende:

  • Bereits am Tag vor dem Flug können Sie die Vorab-Checkliste abarbeiten,
  • am Flugtag, aber noch zuhause, prüfen Sie die Ausrüstungs-Checkliste,
  • am Abflugort gehen Sie die „Vor dem Start“-Checkliste durch,
  • nach dem Start in etwa 2 m Flughöhe arbeiten Sie die „Nach dem Start“-Checkliste ab,
  • nach der Landung gehen Sie die „Nach der Landung“-Checkliste durch und
  • abschließend arbeiten Sie die „Nach dem Flug“-Checkliste.

Darüber hinaus sollte eine Notfallcheckliste für konkrete Fälle erstellt und jederzeit griffbereit mitgeführt werden. Diese wird dann in dem jeweiligen Notfall abgearbeitet – am besten zu Zweit.

Die Beispielcheckliste ist sehr allgemein gehalten und erhebt keinen Anspruch auf Verbindlichkeit und Vollständigkeit, da sie für alle Arten und Marken von UAS gilt. Wir empfehlen Ihnen deswegen dringend, eine eigene Version dieser Checkliste zu erstellen, die speziell an Ihr UAS und ggf. auch die Einsatzgebiete angepasst ist.

Wichtig ist: Selbst wenn eine Flugdurchführung gemäß den Vorschriften legal ist, jedoch vom Fernpiloten / von der Fernpilotin als unsicher eingestuft wird, muss das unbemannte Luftfahrzeug am Boden belassen werden, denn die Sicherheit steht immer im Vordergrund. Beispielsweise ist das Fliegen bei turbulenten Winden in der Nähe eines Objekts gesetzlich nicht verboten, aber es wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht sicher.

Der sichere und gemäß den Vorschriften durchgeführte Flug liegt zu jeder Zeit in Ihrer Verantwortung, von den ersten Checks bis zur Landung des UAS. Viele Checks können bereits vorab zu Hause oder im Büro durchgeführt werden. Auf diese Weise stellen Sie nicht erst am Flugplatz fest, dass Sie das UAS aufgrund von kürzlich veröffentlichten Einschränkungen oder Verboten nicht fliegen lassen dürfen.

Papiere und Fitness

Wenn Sie ein unbemanntes Luftfahrzeug mit einem maximalen Startgewicht von mehr als 250 g in der offenen Kategorie fliegen möchten, benötigen Sie einen Nachweis ausreichender Kompetenz. Die genaue Art des Nachweises hängt von der Unterkategorie ab, in welcher Sie Ihr UAS betreiben möchten. Vergewissern Sie sich in jedem Fall vor dem Flug, dass die Gültigkeit noch gegeben ist.

Ebenso muss eine gültige Betreiberregistrierung vorhanden sein. Diese Registrierung betrifft Sie als UAS-Betreiber und nicht Ihr UAS, da diese in die Kategorie „offen“ eingestuft und somit nicht registrierungspflichtig ist.

Obwohl es in der offenen Kategorie nicht in allen Fällen zwingend vorgeschrieben ist, ist es außerdem immer ratsam, eine gute Haftpflichtversicherung abzuschließen. Diese deckt Schäden ab, die durch den Absturz Ihres unbemannten Luftfahrzeuges an fremdem Eigentum oder einer Person entstehen.

In Österreich besteht die Pflicht, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, wenn eine Betreiberregistrierung notwendig ist.

Darüber hinaus sollten Telefonnummern der nächsten Rettungsleitstelle, bzw. Polizeidienststelle bereitgehalten werden.

Zur Gewährleistung eines sicheren Fluges sollten Sie außerdem vor jedem Flug Ihre eigene Fitness überprüfen: sind Sie ausreichend ausgeruht? Haben Sie Alkohol getrunken oder Medikamente genommen? Haben Sie genug gegessen? Die bereitgestellte „I‘M SAFE“-Checkliste aus dem Modul „Menschliches Leistungsvermögen“ kann Sie hierbei unterstützen.

Die Mehrzahl aller Flugunfälle ist nicht etwa auf technisches, sondern auf menschliches Versagen zurückzuführen, was die Wichtigkeit der ehrlichen und realistischen Selbsteinschätzung unterstreicht. Diese Überprüfung der Fitness betrifft selbstverständlich auch weitere verantwortlich beteiligte Personen.

Der Luftraum

Die Überprüfung des Luftraums im Bereich Ihres Einsatzgebietes gehört zu den wichtigsten Punkten. Stellen Sie sicher, dass Sie mit Ihrem unbemannten Luftfahrzeug keine Luftraumverletzung begehen. Achten Sie auf die Aktualität Ihrer Daten in Bezug auf geografische UAS-Zonen.

Als Ergänzung können Sie ICAO-Luftfahrtkarten verwenden, welche eine detaillierte Luftraumstruktur darstellen. Austro Control bietet hierzu eine interaktive Karte mit eingezeichneten Lufträumen im Internet an, die unter diesem Link abgerufen werden kann: https://maps.austrocontrol.at/mapstore.

Wenn Sie einen Flug in kontrolliertem oder restriktivem Luftraum planen, müssen Sie zuvor die Erlaubnis der verantwortlichen Stelle einholen. Bei einer Kontrollzone ist dies beispielsweise der Kontrollturm. Dieser benötigt bei einer Anfrage detaillierte Informationen zum Vorhaben, beispielsweise:

  • Start- und Landekoordinaten
  • Fluggebiet oder Flugstrecke
  • Flugzeiten
  • Kontaktdaten und Telefonnummer

NOTAMs und Wetter

Nachdem Sie sichergestellt haben, dass der Luftraum grundsätzlich für Ihren Flug freigegeben ist, sollten Sie zusätzlich prüfen, ob so genannte NOTAMs veröffentlicht sind. NOTAM steht für „NOtice To AirMan“. Dies sind Mitteilungen an Luftraumnutzer, die einen über Besonderheiten in der Region informieren, beispielsweise ein Musikfestival oder die Durchführung von militärischen Übungen, die wiederum eine Luftraumschließung zur Folge haben.

NOTAMS werden von den zuständigen Flugsicherungsstellen, beispielsweise Austro Control oder der Deutschen Flugsicherung, veröffentlicht. Um sich einen Überblick zu verschaffen, können Sie sich die NOTAMs schon am Vortag des Flugtages durchlesen. Sollten diese Einschränkungen oder Verbote beinhalten, stellen Sie dieses nicht erst am Flugplatz fest. Wichtig dabei ist: das erneute Durchlesen der NOTAMs am Flugtag ist dringend erforderlich, da neue NOTAMs jederzeit veröffentlicht werden können.

Beim Wetter-Check verhält es sich ähnlich wie bei den NOTAMs. Sie sollten Sich vorab, am besten bereits am Tag zuvor, einen Überblick über die Wetterbedingungen verschaffen. Direkt vor dem Flug und vor Ort werden die Wetterinformationen dann aktualisiert.

Wichtig sind vor allem die Windverhältnisse in Bodennähe und Niederschläge sowie die Wetterentwicklung während des Fluges. Wenn vor Ort Zweifel an der Windstärke bestehen, kann diese mit einem Windmesser überprüft werden. Beachten Sie dabei, dass der Wind in der Flughöhe des UAS in der Regel stärker ist als die am Boden gemessene Windgeschwindigkeit! Beachten Sie sowohl in Bezug auf maximale Windkomponenten als auch auf Beeinträchtigungen durch Feuchtigkeit die Angaben im Handbuch des UAS. Eventuelle Beschränkungen und Limitierungen sind hier angegeben.

Sobald Sie eine Wetterverschlechterung bemerken, sollten Sie das unbemannte Luftfahrzeug umgehend landen. Warten Sie bei einem herannahenden Gewitter beispielsweise nicht, bis Ihr UAS von den ersten Böen erfasst wird.

Alternativ können Sie sich über die Medien zur Wetterlage und Windsituation informieren und die Internetseite www.notaminfo.com zum Abrufen der NOTAMs verwenden. Beachten Sie dabei jedoch, dass diese Informationen dann lediglich der Information dienen, keine Rechtsverbindlichkeit haben und auch nicht zum Beleg einer offiziellen Flugvorbereitung herangezogen werden kann.

Das Fluggebiet

Sobald Sie in Ihrem Fluggebiet angekommen sind, sollten Sie direkt Ihre Umgebung überprüfen: Sind Hindernisse wie Hochspannungsleitungen, Windturbinen oder andere große Gegenstände vorhanden? Diese können die Flugsicherheit beeinträchtigen, da die Kollisionsgefahr steigt und sie ebenfalls die direkte Sicht auf das unbemannte Luftfahrzeug einschränken oder sogar verhindern können.

Hochspannungsleitungen können darüber hinaus elektromagnetische Interferenzen verursachen, wodurch es zu Funkproblemen und im schlimmsten Fall einem Abbruch der Verbindung zum UAS kommen kann. Befinden Sie sich in hügeligem oder unübersichtlichem Gelände, begehen Sie das Fluggebiet vorher, um eventuell von der Startposition aus nicht einsehbare Personen zu erkennen.

Bedenken Sie auch: Wenn Ihr UAS im Flug aufgrund des „Return To Home“ (RTH) Manövers zurückkommt, landet sie genau an der Stelle, an der sie gestartet ist. Es sollte demnach sichergestellt werden, dass keine Personen oder Autos den Landeplatz blockieren. Dafür könnte man beispielsweise mehrere Pylone um den Startbereich herum aufstellen oder Flatterband verwenden. Unabhängig davon sollten Sie nach alternativen und Notlandeplätzen im Einsatzgebiet Ausschau halten, falls es zu unvorhergesehenen Situationen kommt und Sie schnell landen müssen.

Wichtig: Achten Sie auf Straßen, öffentliche Fuß- oder Radwege, die durch Ihr Fluggebiet führen, da dort unerwartet Menschen auftauchen können. Diese sollten möglichst nicht überflogen werden. Abschließend versichern Sie sich noch einmal, dass keine Personen und Tiere in Ihrem Fluggebiet sind. Beachten Sie ebenfalls, dass der Grundstückseigentümer oder Verfügungsberechtigte ggf. eine Genehmigung erteilen muss.

Beteiligte Personen

Wenn Sie die Möglichkeit haben, weitere Personen als Helfer*innen in den Flug zu integrieren, kann dies einen erheblichen Sicherheitszuwachs bedeuten. Nutzen Sie diese Möglichkeit wann immer es geht. Insbesondere bei der Sicherung des Fluggebietes, der Beobachtung des Luftraums und der Information unbeteiligter und in der Nähe befindlicher Personen kann eine weitere Person eine große Entlastung sein.

Um die unterstützende Person auf den Flug vorzubereiten, muss vor dem Flug ein so genanntes „Briefing“ abgehalten werden. Darin werden folgende Punkte besprochen:

  • Der geplante Flugverlauf und die Intention des Fluges,
  • die Einhaltung und ggf. Unterstützung bei der Abarbeitung von Checklisten,
  • das Vorbereiten und Absichern der Start- und Landestelle,
  • mögliche Gefahren und Notverfahren,
  • Absprachen bezüglich der Kommunikation untereinander und
  • klare Absprachen zur Aufgabenverteilung.

Wichtig ist dabei, dass die beteiligte Person explizit zugestimmt und sich mit der Verantwortung und den Aufgaben einverstanden erklärt hat.

UAS und Ausrüstung

Im letzten Check vor dem Abflug werden das UAS und die Ausrüstung überprüft. Beim Auspacken und Zusammenbauen des unbemannten Luftfahrzeuges sollte dieses auf Beschädigungen und Verschmutzungen überprüft werden. Dazu können Sie die Propeller vorsichtig von Hand drehen, um zu prüfen, ob sich Schmutz in den Motoren befindet. Des Weiteren prüfen Sie Folgendes:

  • Sind alle Teile sicher befestigt?
  • Haben Sie eine Ersatzbatterie dabei?
  • Ist die aktuellste Software / Firmware installiert?

Wenn Sie eine neue Nutzlast verwenden, stellen Sie sicher, dass die maximale, vom Hersteller angegebene Abflugmasse (Maximum Take-Off Mass, MTOM) nicht überschritten wird. Bei UAS mit befestigten Tragflächen müssen Sie ggf. eine Schwerpunktberechnung durchführen. Detaillierte Informationen zu den Leistungsgrenzen und Berechnungen finden Sie im UAS-Betriebshandbuch. Montieren Sie schließlich die Nutzlast, überprüfen Sie die Funktionalität und ob alle Teile wie eine Speicherkarte funktionsbereit sind.

Als nächstes müssen alle Einstellungen Ihres UAS und der Telemetrie überprüft werden, wobei Sie besonders auf die folgenden Punkte achten sollten:

  • Die Betriebsart des UAS,
  • den Batterieladestand,
  • den GNSS-Empfang (mindestens 5 Satelliten sollten verfügbar sein),
  • die richtige Einstellung der Return To Home (RTH) –Funktion, inklusive der Höhe sowie
  • Die Kalibrierung des Kompasses, insbesondere wenn Ihr zuvor genutztes Fluggebiet mehr als 10 km von Ihrer aktuellen Position entfernt liegt.

Wenn Sie ein Mobiltelefon als Bildschirm Ihrer Bodenstation verwenden, vermeiden Sie eingehende Anrufe während des Fluges. Dadurch wird Ihre Flug-App unterbrochen und Sie können die Telemetrie sowie den Akkuladestand nicht mehr verfolgen.

Übungsaufgaben

Nach dem Durcharbeiten eines vollständigen Moduls können Sie ihr Wissen mit Hilfe von Übungsaufgaben testen. Mit einem Klick auf die unten stehende Schaltfläche werden Sie auf die Übungsseite weitergeleitet. Die Übungsaufgaben können ohne Beschränkungen wiederholt werden.

Übungsaufgaben

Zusammenfassung – Shortcut

Zusammenfassung Modul 3 – Betriebliche Verfahren

Weiterlesen & Referenzen

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